Trainingskonzept

HAB - Individualisierung

Was bedeutet „Individuell Trainieren bzw. Fördern“ in der Mannschaftssportart Handball?

Die Entwicklung einer Mannschaft hat für die HAB keine Priorität. Die HAB konzentriert sich auf den einzelnen Spieler und möchte über diesen Weg das Niveau jedes einzelnen Handballspielers verbessern.

Um diese Förderung effektiv gestalten zu können, hat die HAB eine Zielsetzung (didaktische Vorgabe) für den individuellen Entwicklungsprozess in der HAB festgelegt. Alle in der HAB brauchen eine gemeinsame und klare Vorstellung dieser Entwicklungsziele, denn diese Vorgaben bestimmen direkt den Umsetzungsprozess.

Abhängig davon sind:

  • Aufnahme und Auswahl (Sichtung)
  • Aufbau einer Trainingseinheit (Trainingsorganisation)
  • Auswahl der Trainer (Trainerprofil)
  • Festlegung der allgemeinen individuellen Trainingsziele (Trainingsschwerpunkte)
  • Positionsspezialisierung (ab A-Jugend)
  • Zusammenarbeit der Trainer (Entwicklung einer von allen akzeptierten Spielkonzeption)
  • Trainingsmethodik (Bedeutung kognitives Lernen)
  • Korrekturschwerpunkte


Sichtungskriterien:

Bei der Sichtung konzentrieren wir uns bereits auf die Fähigkeit und Fertigkeiten des Einzelnen, unabhängig von seiner Spielposition. Wir suchen Talente mit Entwicklungspotential.

Pro Jahrgang wird die Anzahl der Spieler wir folgt begrenzt:

  • max. 18 Feldspieler + 3 Torhüter

Über die Aufnahme von förderungswürdigen Spielern entscheidet die Vorstandschaft mit den HAB-Trainern gemeinsam.
Die Trainer geben der Vorstandschaft in regelmäßigen Abständen einen Statusbericht über den Leistungs- bzw. Entwicklungsstand jedes einzelnen HAB-Spielers (Qualitätssicherung).

 

Die HAB-Definition für "Talent" lautet:

„eine sich noch in der Entwicklung zur Hochleistungsfähigkeit befindende Person, von der man aufgrund bisher erreichter sportlicher Leistungen oder diagnostizierter Person interner Leistungsbedingungen begründet annimmt, dass sie, falls sie sich einem nach neuesten Erkenntnissen durchgeführten Training unterzieht und unter leistungsfördernden Umweltbedingungen aufwächst, im Höchstleistungsalter in der Sportart Handball ein Leistungsniveau erreichen kann, das anerkannte sportliche Erfolge ermöglicht.“

Dabei werden allgemeine und handballspezifische Leistungsfaktoren unterschieden.

Die HAB-Sichtungskriterien umfassen die folgenden Leistungsfaktoren:

  • Athletik
  • Spielfähigkeit
  • Technik / Koordination
  • Physis / Körperbeschaffenheit
  • Persönlichkeit

 

Im Bereich Athletik sind folgende Kriterien wesentlich: Stabilität, Dynamik, Sprung- und Wurfkraft, Koordination (mit/ohne Ball).

Im Bereich Spielfähigkeit sind es: Wahrnehmung, Antizipation, Umschaltfähigkeit, Timing, Ballsicherheit, Handlungsschnelligkeit.

Im Bereich Technik wird unterteilt in spezifische Fähigkeiten und Fertigkeiten für den Angriff und Abwehr. Besonderes Augenmerk liegt auf dem aktiven Verteidigen.

Im Bereich Physis sind es: Körpergröße, Robustheit, muskuläre Konstitution.

Im Bereich Persönlichkeit beobachten wir: Willensstärke, Teamfähigkeit, Führungseigenschaften

 

Hinweis:

Auf Rückraum-Rechts und Rechts-Außen werden vorwiegend Linkshänder eingesetzt. Die Sichtung von Linkshändern nimmt daher einen besonderen Stellenwert ein.

Aufgrund des schnellen Längenwachstums haben gerade größere Spieler in den Bereichen Athletik und Technik/Koordination Schwierigkeiten und Nachteile gegenüber kleineren Talenten. Hinzu kommen Spätentwickler und Quereinsteiger, denen ein spezifisches Bewegungsmuster noch fehlt. Die Bewegungen wirken in diesem Fall ungelenk und werden extrem unökonomisch durchgeführt. Diese Defizite lassen sich allerdings mit einem gezielten Athletik- und Koordinationstraining stark verbessern.

 

Trainingsorganisation:

Die Trainingseinheiten der HAB beinhalten verbindlich immer 4 Hauptabschnitte, die selbstverständlich durch die Trainer situations- und zielgerecht ergänzt oder verbunden werden:

  • Verbesserung der Spielfähigkeit durch Spielformen
  • Technik- und Koordinationstraining (auch: TW-Training)
  • Technisch-taktische Spielformen (Kleingruppe, Grundspiele, Entscheidungstraining)
  • Athletiktraining

 

Aufbau einer Trainingseinheit (120 Min):

  • (1) Spielformen (Aufwärmen und Verbesserung der Spielfähigkeit) + (2) Dehnen + (3) Technik, Koordination, positionsspezifische Bewegungsabläufe (30 Min)
  • (4) Kleingruppenarbeit, Grundspiele, Entscheidungstraining (technisch-taktische Inhalte) - 3 Gruppen a 20 Min im Wechsel: 2 Gruppen technisch-taktische Inhalte und 1 Gruppe im Athletiktraining, (60 Min)
  • (5) Spielen: Überschlagspiele, Zielspiel, Spiel unter realistischen Bedingungen (30 Min)
  • TW-Training läuft parallel zu 3. + 4. + 5. (TW gehört auch in eine Athletikgruppe)

 

HAB-Trainer:

Die Trainer der HAB sind sowohl in die Analyse eines Spielers als auch in die Gestaltung des individuellen Entwicklungsprozess verantwortlich eingebunden. Dies verlangt besondere Qualitäten:

  • Vertiefte Kenntnisse technisch-taktischer Anforderungen an den Einzelspieler.
  • Vertiefte Kenntnisse der handballspezifischen Techniken.
  • Spezielle Kenntnisse des motorischen Lernprozesses und der Trainingslehre (besonders Kenntnisse über die Zielgruppe der Heranwachsenden).

Hierbei ist davon auszugehen, dass der Trainer neben entsprechender Erfahrung als Trainer auch als Spieler möglichst hochklassig gespielt hat. Er hat so die technisch-taktischen Anforderungen am eigenen Leib kennengelernt. Nicht unwichtig ist dabei auch die Vorbildfunktion.
 


Trainerprofil:

  • Persönliches:
    männlich
    Alter: 25 - 45 Jahre
    Aktive Spielererfahrung höher als LL (BayL.), gewünscht Bundesliga
    Zeit für Sichtung
  • Ausbildung:
    B-Trainer (A-Trainer gewünscht) oder Sportlehrer
    Trainererfahrung im Erwachsenen Leistungsbereich (männlich) und Jugendbereich
  • Fähigkeiten:
    Vorbild in allen Bereichen
    entwicklungsorientiertes Denken
  • Kenntnisse:
    Kenntnisse des motorischen Lernprozesses
    Besondere Kenntnisse individueller Fähigkeiten/Fertigkeiten der einzelnen Positionen
    Kenntnisse zur Entwicklung von Persönlichkeit und Leistung
    DHB-Rahmenkonzeption
    Trainingsmethodik (Entwicklung der Spielfähigkeit und der individuellen Fähigkeiten)
    Vertiefte Kenntnisse des Aufbautrainings 1 + 2


Festlegung der allgemeinen individuellen Trainingsziele:

  • Wesentliche Einflussgrößen sind:
    • DHB Rahmentrainingskonzeption
    • HAB-Individualisierung
    • Positionsspezialisierung

  • Die HAB konzentriert sich auf das übergeordnete Ziel:
    • Verbesserung der individuellen Spielfähigkeit.
    • Erfolgreicher Einsatz des Handlungsrepertoires in variablen Spielsituationen

 

Die Schulungsschwerpunkte ergeben sich daraus:

  • Technik / Koordination
  • Athletik
  • Abstimmung/ Zusammenspiel (Kleingruppe bis 3 Spieler)
  • Wahrnehmung und Antizipation
  • Entscheidungsverhalten und Handlungsschnelligkeit

 

Gemäß dieser Schwerpunkte wurde die Spielphilosophie und Spielkonzeption der HAB bezüglich Angriff, Abwehr und Tempospiel untersucht und die sich daraus ergebenden individuellen Anforderungen besonders bezüglich Abstimmung und Zusammenspiel wurden herausgearbeitet und als Entwicklungsziele formuliert:

  • Laufwege allgemein auf den einzelnen Positionen (Angriff u. Abwehr)
  • Laufwege und Torgefährlichkeit in der Auslösehandlung
  • Laufwege mit dem Ziel 1:1
  • Aktive Gestaltung des Angriffsraumes (Gegner Hinstellen)
  • Variabilität der Folgehandlungen
  • Antizipationsmöglichkeiten in der Abwehr
  • Aktives Verteidigen

 

Positionsspezialisierung:

  • Die Positionsspezialisierung spielt in unserem Eingangsjahrgang keine Rolle mit Ausnahme der Torhüter.
  • Die Spieler sollen möglichst viele unterschiedliche Positionen besetzen und Lernerfahrungen sammeln.
  • Erst in der A-Jugend kommt zunehmend die Konzentration auf 1-2 Positionen hinzu.
    Diesen Spezialisierungsprozess gestalten Trainer und Spieler nach körperlich-athletischer Eignung und Neigung des Spielers.
  • Mannschaftstaktische Überlegungen spielen keine Rolle.

 

Zusammenarbeit der Trainer:

Wie bereits in den Leitlinien für HAB – Trainer aufgeführt und aus den obigen Zeilen ablesbar, ist die Zusammenarbeit der HAB-Trainer unabdingbare Voraussetzung für den Erfolg der Handballakademie Bayern.

Das Erfolgskriterium ist der gut ausgebildete Spieler, der, wenn er aus der Jugend in den Seniorenbereich aufsteigt, möglichst hochklassig angefordert wird bzw. Angebote erhält.

Ergänzung zum Trainerprofil: „Stark ausgeprägte Teamfähigkeit“ Kein Einzelgänger, kein Erfolgs- oder Titeljäger, kein Alleinherrscher oder Alleswisser.


Trainingsmethodik:

Aufgrund der besonderen didaktischen Vorgaben und wissenschaftlicher Ergebnisse zum motorischen Lernprozess ergeben sich wichtige Schlussfolgerungen für die Methodik des Trainings:

  • Technikverbesserungen ganzjährig ausrichten
  • Schwerpunkte im Zusammenspiel im 6+1-Wochenrhythmus trainieren für bestimmte Kleingruppen (2-3 Schwerpunkte, 6 Wochen wiederholt trainieren und 1 Woche Regeneration)
  • Kognitive Trainingsbausteine einsetzen
  • Wahrnehmungs- und Entscheidungstraining
  • Spielen lernen über Spielformen aber auf die Schwerpunkte abgestimmte Übungsformen intensiv einsetzen



Korrekturschwerpunkte:

Die Korrektur ist das wichtigste Haupthandwerkszeug der Trainer. Diese richtig eingesetzt, führt zu rascher Leistungssteigerung der Spieler.

Die HAB – Trainer achten hierbei besonders auf die definierten individuellen HAB-Kriterien und im Einzelfall auf die festgelegten Ziele im individuellen Trainingsplan

 

Sponsoren

Kommende Termine

© Handballakademie Bayern e.V.